
Von lokalen Experten Adriana & Matěj
Adriana und Matěj Halouskovi sind Reiseblogger hinter dem erfolgreichen Blog Czech the World.
Matěj wurde in Prag geboren und lebt sein ganzes Leben hier, Adriana ist vor mehr als 10 Jahren hierhergezogen.
Wir haben mehr als 60 Länder bereist, aber wenn es einen Ort gibt, den wir am besten kennen, dann ist es unsere Stadt.
Als gebürtige Tschechin war Weihnachten für mich schon immer eine magische Zeit – eine Zeit, in der Kinder gespannt auf den Abend des 24. Dezember warten, auf das Klingeln des Glöckchens lauschen, das die Ankunft des Ježíšek ankündigt, den Weihnachtsbaum erstrahlen lässt und die ganze Familie um ihn versammelt.
Ich nehme Sie mit durch unsere wunderschönen tschechischen Weihnachtstraditionen und die festliche Jahreszeit, die mit dem Advent beginnt. Von den stimmungsvoll beleuchteten Gassen und Weihnachtsmärkten bis hin zu einzigartigen Bräuchen und Traditionen.
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Advent – der Beginn der Weihnachtszeit
Der Advent in Tschechien ist die Zeit, in der sich das Land in ein winterliches Märchen verwandelt. Traditionell beginnt er am vierten Sonntag vor Weihnachten. Das genaue Datum ändert sich jedes Jahr, liegt aber meist zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember.
Es ist die Zeit, in der die lebendigen Weihnachtsmärkte zum Leben erwachen, Familien gemeinsam Adventskränze basteln und jede angezündete Kerze auf dem Kranz einen Schritt näher zum magischen Heiligabend symbolisiert.
Welche Traditionen und Adventsaktivitäten gibt es also?
- Adventskränze binden – Wir haben sie schon als Schulkinder gebastelt. Die Kränze bestehen typischerweise aus immergrünen Zweigen (meist Fichte oder Tanne), die das ewige Leben symbolisieren. Auf dem Kranz stehen vier Kerzen, von denen jede einen der vier Sonntage vor Heiligabend repräsentiert.
- Weihnachtsmärkte – Wer liebt sie nicht? Diese Holzstände verwandeln Stadtplätze in märchenhafte Orte voller funkelnder Lichter und dem Duft traditioneller Speisen. Fast überall gibt es einen Weihnachtsbaum und eine kleinere oder größere Krippe.
Weihnachtsmärkte sind nicht nur Orte, an denen man Geschenke kaufen kann, sondern vor allem Treffpunkte, an denen man svařené víno (Glühwein) trinken und trdelník (ein süßes Gebäck) essen kann. Man findet sie wirklich überall – von den größten Weihnachtsmärkten in Prag bis hin zu kleinen Städten wie Nová Bystřice. - Cukroví backen – Das Backen von „cukroví“, den traditionellen tschechischen Weihnachtsplätzchen, ist eine besonders beliebte Adventsaktivität. Tschechische Küchen füllen sich mit dem Duft dieser süßen Köstlichkeiten, die es in vielen Formen und Geschmacksrichtungen gibt. Familien backen oft gemeinsam und geben Rezepte über Generationen weiter. Und Sie können sicher sein: Omas haben die besten! Diese Plätzchen sind nicht nur für die Familie gedacht; sie werden bei weihnachtlichen Treffen oft auch mit Freunden und Nachbarn geteilt.
- Adventskalender – Adventskalender sind für Kinder wie Erwachsene eine schöne und spannende Möglichkeit, die Tage bis Weihnachten herunterzuzählen. In Tschechien haben diese Kalender oft kleine Türchen oder Fenster für jeden Adventstag, hinter denen sich Schokolade oder kleine Geschenke verstecken. Diese Tradition kam von unseren deutschen Nachbarn zu uns.

4. Dezember – die Tradition der Barborky
Der 4. Dezember ist der Tag der heiligen Barbara. Auf Tschechisch heißt sie Barbora. Wenn man es liebevoll sagen möchte, sagt man Barborka. Daher kommt der Name.
An diesem Tag ist es Tradition, Zweige von Kirschbäumen abzuschneiden und ins Haus zu bringen. Diese Zweige, bekannt als „Barbarazweige“ oder „Barborky“, werden in eine Vase mit Wasser gestellt. Wenn die Kirschzweige bis Heiligabend blühen, gilt das als Symbol für Glück und Wohlstand im kommenden Jahr. In manchen Deutungen, besonders in der romantischen Volksüberlieferung, wird das Blühen dieser Zweige bis Weihnachten auch als Zeichen für die bevorstehende Hochzeit einer jungen Frau im nächsten Jahr gesehen.
Übrigens: Aus unserer Erfahrung blühen sie fast immer 🙂

5. Dezember – Mikuláš (Nikolaustag)
Der 5. Dezember steht in Tschechien ganz im Zeichen der beliebten, aber auch ein wenig furchteinflößenden Tradition des Mikuláš, also des Nikolaustags. Kinder im ganzen Land warten gespannt auf diesen Tag – mit einer Mischung aus Vorfreude und einem kleinen bisschen Angst.
An Mikuláš zieht die Gestalt des heiligen Nikolaus durch die Straßen, meist begleitet von einem Engel und einem Teufel (čert). Der heilige Nikolaus belohnt brave Kinder mit Süßigkeiten, was diesen Tag zu einem mit Spannung erwarteten Erlebnis macht.
Der Teufel hingegen, eine furchteinflößende Figur mit Hörnern und schwarzem Kostüm, bringt eine Portion Schreck in die Feierlichkeiten. Er trägt einen Sack für unartige Kinder bei sich. Die Vorstellung ist: Wenn ein Kind das ganze Jahr über ungezogen war, läuft es Gefahr, vom Teufel in seinem Sack mitgenommen zu werden.

24. Dezember – Štědrý den
Der 24. Dezember ist der wichtigste Tag des tschechischen Weihnachtsfests!
Letzte Vorbereitungen und Fasten
Der Tag beginnt normalerweise mit den letzten Vorbereitungen für die Feierlichkeiten am Abend – während im Fernsehen Märchen laufen, denn an diesem Tag gibt es den ganzen Tag über Märchen!
Viele Menschen halten traditionell bis zum Weihnachtsessen am Abend ein Fasten ein. Dieses Fasten ist oft mit einem alten Glauben verbunden: Wer fastet, sieht an der Wand ein goldenes Schweinchen – ein Symbol für Glück. In unserer Familie fasten wir meistens nicht, sondern kochen zum Mittagessen Linsensuppe, damit Geld in die Familie kommt.
Den Weihnachtsbaum schmücken
Nicht alle, aber viele tschechische Haushalte pflegen die Tradition, den Weihnachtsbaum erst am Štědrý den selbst zu schmücken. Das macht den Tag noch aufregender und steigert die Vorfreude.
Traditionelles tschechisches Weihnachtsessen
Der Höhepunkt des Štědrý den ist das Weihnachtsessen, das am Abend serviert wird. Das Essen beginnt typischerweise mit Fischsuppe, gefolgt vom Hauptgericht: gebratener Karpfen mit Kartoffelsalat. Eine Schuppe des Weihnachtskarpfens darf unter dem Teller nicht fehlen – sie soll Glück und Wohlstand im kommenden Jahr bringen.
Ježíšek – der meist erwartete Moment
Nach dem Abendessen kommt der Moment, auf den alle – besonders die Kinder – sehnsüchtig warten: die Bescherung. Nach tschechischer Tradition bringt Ježíšek (das Christkind) die Geschenke. Nein, wir glauben nicht an den Weihnachtsmann. Oft kündigt der Klang eines Glöckchens an, dass Ježíšek die Geschenke gebracht hat, und alle versammeln sich um den Weihnachtsbaum, um sie auszupacken.
Das Schöne an Ježíšek ist, dass jedes Kind sein eigenes Bild oder seine eigene Vorstellung von ihm hat! Es ist ein liebes Wesen, das Geschenke bringt, oder? Für mich war es eine Mischung aus Schneemann und Vogel (es musste Flügel haben, weil wir im 2. Stock wohnten), gemacht aus Weihnachtsschmuck.
Weihnachtslieder und Mitternachtsmesse
Zum Abend kann auch das Singen oder Hören von Weihnachtsliedern gehören. Für viele ist der Besuch der Mitternachtsmesse ebenfalls ein wichtiger Teil der Feier am Heiligabend.
Štědrý den in Tschechien ist eine Mischung aus festlicher Freude, familiärem Beisammensein und der Wärme alter Traditionen – ein besonders geschätztes und bedeutungsvolles Fest.

25. Dezember – Erster Weihnachtsfeiertag
In Tschechien ist der 25. Dezember, bekannt als „První svátek vánoční“, eine Fortsetzung der festlichen Weihnachtsfeierlichkeiten. Der Tag ist von einer entspannteren, familienorientierten Atmosphäre geprägt.
Familien verbringen den Tag oft gemeinsam, genießen Märchen, Geschenke sowie die Ruhe und Wärme des Zusammenseins. Es ist eine Zeit für gemütliche Aktivitäten wie Spaziergänge, Besuche bei Verwandten oder einfach Entspannung zu Hause. Im Mittelpunkt stehen das Miteinander und die festliche Weihnachtsstimmung.
26. Dezember – Zweiter Weihnachtsfeiertag
Der zweite Weihnachtsfeiertag in Tschechien hat oft einen entspannteren und geselligeren Charakter. Der 26. Dezember ist eine Zeit, in der viele Menschen weiter entfernte Familienmitglieder und Freunde besuchen, die sie an den vorherigen Tagen nicht gesehen haben. Es ist ein Tag, um Neuigkeiten auszutauschen, Geschichten zu erzählen und die Gesellschaft der anderen zu genießen.

6. Januar – Dreikönigstag
Das Fest „Tři králové“ oder „Dreikönigstag“ in Tschechien markiert das Ende der Weihnachtszeit. Es wird am 6. Januar gefeiert.
Eine der bekanntesten Traditionen ist das Anschreiben der Haustür mit Kreide. An diesem Tag schreiben Menschen oder als Heilige Drei Könige verkleidete Kinder die Initialen (C+M+B, für Caspar, Melchior und Balthasar) sowie die Jahreszahl an die Türrahmen der Häuser. Oft singen sie Weihnachtslieder und sammeln Spenden für wohltätige Zwecke.
Dieser Brauch soll dem Haushalt Segen und Schutz für das kommende Jahr bringen.

Tschechische Weihnachtstraditionen
1) Den Apfel aufschneiden
Das Aufschneiden eines Apfels gehört zu den traditionellen Weihnachtsbräuchen in Tschechien. Der Apfel wird quer in zwei Hälften geschnitten. Erscheint im Inneren ein Stern, bedeutet das Glück und Gesundheit. Erscheint ein Kreuz oder ist der Apfel wurmstichig, soll dies Krankheit oder sogar den Tod vorhersagen.
Früher bemühte man sich immer, den schönsten und gesund aussehenden Apfel auszuwählen. Ähnliche Vorhersagen machte man auch mit Walnüssen. Eine gesunde Frucht bedeutete Freude und Glück, während eine verdorbene Nuss Unglück und Traurigkeit verhieß.

2) Bleigießen
Bleigießen ist eine Weihnachtstradition in vielen europäischen Ländern. Geschmolzenes Blei wird in kaltes Wasser gegossen, und aus den entstehenden Formen wird die Zukunft gedeutet. Als Ersatz für Blei kann auch geschmolzenes Wachs verwendet werden.
Jedes Haushaltsmitglied sollte ein Stück Blei gießen und dabei an seine Zukunft denken. Verschiedene Menschen können die Formen unterschiedlich interpretieren, doch es gibt einige gängige Deutungen:
- Gerade Linien deuten auf ein ruhiges und zufriedenes Leben hin.
- Zwei verbundene Kreise weisen auf eine bevorstehende Hochzeit hin.
- Zwei zerbrochene Kreise sagen eine Trennung von einer nahestehenden Person voraus.
- Ein Quadrat symbolisiert ein Leben im Einklang mit der Natur.
- Ein Kreuz steht für den Tod.
- Zwei Kreuze bedeuten ein sicheres Alter.
- Ein Dreieck sagt geschäftlichen Erfolg voraus.
- Ein Haus mit Dach bedeutet Glück auf Schritt und Tritt.

3) Das goldene Schweinchen
Viele kennen den Glauben, dass diejenigen, die an Heiligabend bis zum Abend fasten, ein goldenes Schweinchen sehen werden. Diese Tradition geht vermutlich auf unsere keltischen Vorfahren zurück, für die das Schwein ein Symbol für Glück, Reichtum und Überfluss war.
Das musst du gesehen haben! Es ist unsere geliebte Kofola-Werbung über das „goldene Schweinchen“!
4) Walnussschalen-Boote schwimmen lassen
Das Schwimmenlassen von Walnussschalen-Booten ist ein Weihnachtsbrauch, der dabei helfen soll, die Zukunft vorherzusagen. Wer seine Zukunft erfahren möchte, bastelt ein eigenes kleines Boot mit einer Kerze und setzt es aufs Wasser. Das Verhalten des Walnussschalen-Bootes mit der Kerze bestimmt das Schicksal für das kommende Jahr. Traditionell nimmt die ganze Familie an diesem Brauch teil.
Deutungen anhand des Verhaltens der Boote:
- Ein Boot, das in Ufernähe bleibt, deutet darauf hin, dass keine großen Veränderungen bevorstehen.
- Ein Boot, das weit wegschwimmt, weist auf eine Reise oder erfolgreiche Pläne hin.
- Ein Boot, das mit einem anderen zusammen fährt, bedeutet gute zwischenmenschliche Beziehungen oder Liebe.
- Boote, die einen Kreis bilden, stehen für ein harmonisches Zusammenleben, gegenseitigen Respekt, Freundschaft und Toleranz.
- Ein Boot, das zwischen den anderen bleibt, zeigt ein Bedürfnis nach Schutz oder Hilfe an.
- Ein Boot, das sich im Kreis dreht, steht für Unentschlossenheit.
- Das Boot, das am längsten auf dem Wasser bleibt oder dessen Kerze am längsten brennt, verheißt ein langes und glückliches Leben.
- Ein Boot, das sofort untergeht, deutet darauf hin, dass Bemühungen, eine Situation zu verbessern, vergeblich sein könnten.

5) Einen Pantoffel werfen
Der Brauch, einen Pantoffel oder Schuh zu werfen, ist eine Weihnachtstradition für unverheiratete Mädchen, die wissen möchten, wie es im kommenden Jahr um ihre Heiratschancen steht. Das Mädchen stellt sich mit dem Rücken zur Tür und wirft einen Schuh über die Schulter. Zeigt die Spitze zur Tür hinaus, könnte eine Hochzeit in naher Zukunft bevorstehen. Andernfalls bleibt alles beim Alten.

6) Karpfenschuppe unter dem Teller
Eine Karpfenschuppe unter dem Teller darf beim Weihnachtsessen an Heiligabend nicht fehlen, denn der Tradition zufolge bringt sie Wohlstand. Nach dem Essen sollte man die Schuppe im Portemonnaie aufbewahren, um die Finanzen zu schützen.
7) Mistelzweig
Die Tradition, Mistelzweige aufzuhängen, entstand Ende des 19. Jahrhunderts und stammt ursprünglich aus England. Wenn sich zwei Menschen unter dem Mistelzweig küssen, soll ihnen das Glück und Liebe bringen. Als Geschenk soll der Mistelzweig Glück bringen und vor Krankheiten schützen.

8) Weihnachtskrippen
Weihnachtskrippen, die die Geburt Jesu Christi darstellen, sind seit Langem ein fester Bestandteil der Weihnachtstraditionen. In der Barockzeit erlebte das Krippenhandwerk eine beispiellose Blüte.
In Nordböhmen und Ostmähren waren weihnachtliche Umzüge ohne tragbare Krippen, die von Hirten und Sternsingern um den Hals getragen wurden, undenkbar. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurden Krippen immer beliebter und fanden oft ihren Platz unter dem damals neu aufkommenden Weihnachtsbaum.
Die erste Erwähnung einer Jesuitenkrippe stammt aus dem Jahr 1560 in Coimbra, Portugal; zwei Jahre später wird eine Krippe in der St.-Clemens-Kirche in Prag erwähnt.

9) Bethlehemlicht
Das Bethlehemlicht gehört zu den neueren Weihnachtstraditionen. Jedes Jahr wird das Licht in der Geburtsgrotte Jesu entzündet und anschließend nach Österreich geflogen, wo Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus aller Welt zusammenkommen, um es abzuholen und weiterzuverteilen.
Tschechische Pfadfinder reisen für das Bethlehemlicht nach Wien; der erste Halt in Tschechien ist Brünn. Diese Tradition begann mit der Aktion „Licht ins Dunkel“ und wurde von Ada Brandstatter aus Österreich als Symbol des Friedens eingeführt. Die Idee für die weite Verbreitung hatte 1988 der Pfadfinderleiter Herbert Grünwald. Seitdem findet jedes Jahr in Wien eine ökumenische Feier statt, bei der die Friedensflamme an Pfadfinderdelegationen aus aller Welt weitergegeben wird.

10) Vánočka – tschechischer Weihnachtszopf
Das Backen des Weihnachtszopfs gehört zu den ältesten tschechischen Weihnachtstraditionen. Auf der Weihnachtstafel ist er unverzichtbar, denn der Hefeteig symbolisiert das Wachsen von Glück und Wohlstand. Sein Vorläufer, die sogenannte Calta, wird bereits seit dem 14. Jahrhundert gebacken. Anfangs war das Backen den Bäckern vorbehalten; erst im 18. Jahrhundert begann man, Vánočka auch zu Hause zu backen. Für jedes Familienmitglied wurde ein Laib gebacken, und es war nicht ungewöhnlich, eine Münze hineinzubacken. Wer das Stück mit der Münze bekam, sollte ein erfolgreiches Jahr vor sich haben.
Auch jeder Strang des Weihnachtszopfs hat eine symbolische Bedeutung – die vier unteren Stränge stehen für Sonne, Wasser, Luft und Erde. Der obere Zopf aus drei Strängen symbolisiert die Einheit von Verstand, Wille und Ehre.
11) Weihnachtsbaum
Während das Schmücken von Bäumen auf alte heidnische Traditionen zurückgeht, fand der Weihnachtsbaum als Symbol des Festes im 19. Jahrhundert seinen Weg in tschechische Haushalte – zunächst als Privileg wohlhabender bürgerlicher Familien. Die Tradition des Baumschmückens, wie wir sie heute kennen, stammt aus Livland (Estland, Lettland) und Deutschland.
Heute ist es auch üblich, große Weihnachtsbäume auf Stadtplätzen aufzustellen. Der erste Baum dieser Art in der Tschechischen Republik wurde 1924 auf dem Freiheitsplatz in Brünn errichtet.
Geschenke unter dem Baum tauchten ebenfalls im 19. Jahrhundert auf. Zuvor wurden Geschenke an Dienstboten, Knechte oder Sternsinger überreicht, meist in Form von Lebensmitteln oder Kleidung.

12) Mitternachtsmesse
Die Mitternachtsmesse ist zu einer schönen Weihnachtstradition geworden – für Gläubige ebenso wie für alle, die Weihnachtslieder hören und die festliche Atmosphäre genießen möchten. Der Brauch geht auf die Evangelien zurück, denen zufolge Jesus in der Nacht geboren wurde. Oft erklingt dabei die Tschechische Weihnachtsmesse von Jan Jakub Ryba.

13) Räucherkerzen und Purpura
Die Tradition des Abbrennens von Räucherkerzen, den sogenannten „františky“, stammt aus dem Erzgebirge und ist rund 300 Jahre alt. Das Räucherwerk, verbunden mit dem Duft von Weihrauch, den die Heiligen Drei Könige dem neugeborenen Jesus brachten, wurde zum Jahreswechsel zur Reinigung der Häuser verwendet. „Františky“ enthalten typischerweise verbrannte Holzkohle und Harz echter Weihrauchbäume.
Purpura ist eine Mischung aus duftenden Kräutern und Gewürzen, die auf Öfen gelegt wird und deren aromatischer Duft nach und nach verdampft. Dazu gehören unter anderem Zitronenmelisse, Minze, Muskatnuss, Lavendel, Thymian, Majoran, Oregano, Kamille, Rosenblätter, Nadelbaumzweige, Himbeerblätter, Brombeere oder Heidelbeere. Da es heute kaum noch traditionelle Öfen gibt, kann Purpura auf Heizkörper gelegt oder in Duftlampen verwendet werden.

Alte tschechische Weihnachtsaberglauben
1) Mit einem Schuh an den Hühnerstall klopfen
Unverheiratete Mädchen klopften zu Weihnachten früher mit einem Schuh an die Tür des Hühnerstalls, um ihre Heiratschancen vorherzusagen. Wenn zuerst eine Henne gackerte, bedeutete das, dass das Mädchen ledig bleiben würde. Wenn ein Hahn krähte, kündigte sich ein möglicher Bräutigam an.
2) Wahrsagen mit Apfelschalen
Mädchen, die den Anfangsbuchstaben des Namens ihres zukünftigen Mannes erfahren wollten, schälten einen Apfel so, dass eine lange Spirale entstand. Im Stehen schwangen sie die Schale dreimal über dem Kopf und warfen sie hinter sich. Der Buchstabe, dem die heruntergefallene Schale ähnelte, sollte einen Hinweis auf den Namen des künftigen Ehepartners geben.
3) Den Holunderzweig schütteln
Nach dem Weihnachtsessen an Heiligabend schüttelten unverheiratete Mädchen Holunderzweige und sprachen: „Ich schüttle, ich schüttle den Holunder, lass mich den Hund hören, wo mein Liebster heute ist“, oder: „Ich schüttle, ich schüttle, ich bebe, lass mich eine Stimme hören, wo ich nächstes Jahr wieder speisen werde.“ Aus der Richtung, aus der ein Hund bellte, sollte man erkennen, woher der zukünftige Ehemann kommen würde.
Jungen hatten einen ähnlichen Brauch: Die Richtung des ersten Sterns am Himmel sollte anzeigen, woher ihre zukünftige Braut kommen würde.
4) Wahrsagen mit Holzscheiten
Neugierige unverheiratete Mädchen und Jungen konnten blind ein Holzscheit aus einem Stapel ziehen, um das Aussehen ihres zukünftigen Partners vorherzusagen. Ein gerades Scheit deutete auf einen schönen Partner hin, ein krummes oder knotiges Scheit bedeutete einen hinkenden Partner, und ein dickes Scheit wies auf einen kräftigen Ehepartner hin.
5) Eisloch
Ein weiterer Aberglaube besagte: Wenn ein unverheiratetes Mädchen ein Loch ins Eis eines Teichs schlug, konnte es darin das Gesicht seines zukünftigen Mannes sehen.
6) Eine weitere Apfel-Wahrsagung
Unverheiratete Mädchen probierten unzählige Methoden aus, um herauszufinden, ob sie im kommenden Jahr heiraten würden. Ein Aberglaube bestand darin, an der Haustür einen Apfel zu essen. War die erste vorbeigehende Person ein Mann, deutete das auf eine baldige Hochzeit hin; war es eine Frau, blieb das Mädchen ledig.

Was darf man an Heiligabend nicht tun?
Es gibt noch mehr dieser alten und kuriosen tschechischen Weihnachtsaberglauben:
- An Heiligabend ist das Aufhängen von Wäsche verboten, damit sich im kommenden Jahr niemand erhängt.
- Das Reinigen von Scheunen und Ställen wird vermieden, weil man glaubte, dass das Vieh sonst lahm werden könnte.
- Es wird nicht gefegt, damit man die Seelen der Verstorbenen, die zu Besuch kommen sollen, nicht hinausfegt.
- Nähen und Stricken sind ebenfalls verboten, damit Mäuse die Arbeit nicht zerstören.
- Die Hausfrau sollte während des Weihnachtsessens an Heiligabend nicht vom Tisch aufstehen, bevor alle fertig gegessen haben, sonst legen die Hühner keine Eier. Eine andere Variante besagt, dass jeder, der den Tisch früher verlässt, innerhalb eines Jahres sterben wird.
Tschechische Weihnachten – Fazit
Jetzt bist du also ein Experte für tschechische Weihnachten und ihre Traditionen. Vielleicht gibt es noch eine letzte Sache, die du wissen solltest: So sagt man „Frohe Weihnachten“ auf Tschechisch:
Frohe Weihnachten auf Tschechisch heißt: Veselé Vánoce
Veselé Vánoce euch allen!
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