
Von lokalen Experten Adriana & Matěj
Adriana und Matěj Halouskovi sind Reiseblogger hinter dem erfolgreichen Blog Czech the World.
Matěj wurde in Prag geboren und lebt sein ganzes Leben hier, Adriana ist vor mehr als 10 Jahren hierhergezogen.
Wir haben mehr als 60 Länder bereist, aber wenn es einen Ort gibt, den wir am besten kennen, dann ist es unsere Stadt.
Wir haben diesen Guide für alle Abenteurer vorbereitet, die ein paar Tage und Nächte mit Wandern und Wildcampen in Tschechien verbringen möchten. Tramping und Trekking abseits der Städte sind bei Tschechen sehr beliebt – schauen wir uns also ein paar praktische Tipps und wichtige Informationen an.
Ist Wildcampen in Tschechien legal?
Wildcampen mit Zelt ist in Tschechien offiziell nicht legal. Eine Übernachtung in der Natur mit wenig bis gar keinem Schutz – also Biwakieren – ist jedoch erlaubt. Wichtig ist, immer die Regeln „kein Feuer“ und „Leave no trace“ einzuhalten. Außerdem darf man nicht länger als eine Nacht am selben Ort bleiben.
Die tschechischen Gesetze unterscheiden beim Übernachten in der Natur zwischen zwei Kategorien: Camping und Biwakieren. Es ist entscheidend, den Unterschied zwischen diesen beiden zu verstehen. In diesem Artikel findet ihr alles Wichtige – inklusive ein paar hilfreicher Insider-Tipps.

Wildcampen in Tschechien – was ist legal?
Wildcampen wird oft missverstanden, weil die Grenze zwischen Camping (illegal) und Biwakieren (legal) etwas verschwommen ist. Schauen wir uns die Unterschiede an:
A) Biwakieren
Biwakieren bedeutet im Grunde, unter freiem Himmel zu schlafen oder nur minimale Ausrüstung für einen einfachen Schutz dabei zu haben. Mit anderen Worten: Ein Biwak ist ein minimalistischer und vorübergehender Übernachtungsplatz, den man beim Tramping, Wandern oder Radfahren in der Natur nutzt. Wichtig ist, dass ihr maximal 1 Nacht am selben Ort bleibt. Ein Biwak sollte erst bei Sonnenuntergang aufgebaut und früh am Morgen wieder abgebaut werden. Generell weiß man beim Biwakieren oft nicht genau, wo man die nächste Nacht verbringen wird.
Gute Beispiele für Biwak-Ausrüstung sind – neben einem Schlafsack – eine Hängematte oder Isomatte und ein Tarp als Regenschutz. Wenn ihr in einem Zelt übernachtet, kann das nach tschechischem Recht bereits als Camping gelten.
Die wichtigsten Regeln beim Biwakieren:
- Leave no trace: Hinterlasst keine Spuren, nehmt Müll immer mit und vergrabt eure Hinterlassenschaften.
- Keine Lagerfeuer: Eine Mahlzeit oder Tee mit einem Gaskocher zuzubereiten ist in Ordnung.
- Seid leise und respektiert die Tierwelt.
- Meidet Privatgrundstücke, außer ihr habt die Erlaubnis des Eigentümers.
- Meidet gesperrte Gebiete (mehr dazu unten).
B) Camping
Camping wird nach tschechischem Recht als Schlafen in einem Zelt definiert. Außerhalb offizieller Campingplätze ist das offiziell illegal.
Im Unterschied zum Biwakieren bleiben Camper normalerweise länger an einem Ort. Ein typisches Beispiel: Eine Gruppe von Freunden fährt an einen See, macht dort ein BBQ und übernachtet anschließend. Meist haben sie ein Auto und mehr Campingausrüstung dabei, zum Beispiel Stühle, Sonnenschirme, Grill, Zelte usw. Das ist ein Beispiel für Camping, das in Tschechien nicht erlaubt ist.
Zum Glück gibt es viele offizielle Campingplätze, auf denen ihr mit Freunden und Familie entspannt campen könnt. Die beliebtesten Campingplätze findet man oft an Flüssen oder Seen.
Insider-Tipp: Auch wenn das Schlafen im Zelt technisch gesehen illegal ist: Wenn ihr der Philosophie des Biwakierens folgt (siehe die wichtigsten Regeln oben) und euer einziges „Problem“ ist, dass ihr in einem kleinen Zelt schlafen möchtet, sollte das in der Praxis meist kein großes Thema sein – solange ihr das Zelt erst nach Sonnenuntergang aufstellt und den Platz bei Sonnenaufgang wieder verlasst. Es ist außerdem sinnvoll, einen eher versteckten Platz zu suchen, statt direkt an einer Straße oder einem Wanderweg zu schlafen.

Wo ihr übernachten dürft – und wo nicht
Obwohl Biwakieren in Tschechien erlaubt ist, gibt es mehrere Orte, an denen ihr unter keinen Umständen übernachten dürft. Auf der anderen Seite gibt es auch Plätze, an denen ihr legal sogar im Zelt schlafen könnt.
NEIN – die ersten Zonen der Nationalparks
In den ersten Zonen der Nationalparks gelten sehr strenge Regeln – ihr dürft die markierten Wege nicht verlassen. Das bedeutet, dass jede Form der Übernachtung dort verboten ist. Wenn ihr also in einem der tschechischen Nationalparks wandert (Krkonoše/Riesengebirge, Šumava/Böhmerwald, Podyjí/Thayatal), achtet auf Schilder mit der Aufschrift „První zóna národního parku“ (erste Zone des Nationalparks) und übernachtet nicht in dem Gebiet, das von diesen Schildern begrenzt wird.
NEIN – Nationalpark Böhmische Schweiz
Der Nationalpark Böhmische Schweiz (České Švýcarsko) ist der einzige Nationalpark in Tschechien mit einer Sonderregelung, die Biwakieren im gesamten Gebiet verbietet. Übernachtet dort also unbedingt auf offiziellen Campingplätzen – sonst kann es eine Geldstrafe geben.
JA – markierte Plätze, an denen ihr sogar im Zelt übernachten dürft
Einige tschechische Nationalparks sind tramp- und wanderfreundlicher. Im Nationalpark Šumava (Böhmerwald) gibt es zum Beispiel ausgewiesene Plätze für Übernachtungen. Ihr findet sie ganz einfach in der großartigen touristischen Karten-App Mapy.cz unter dem Namen „Nouzová nocoviště“ (Notübernachtungsplätze). Mapy.cz ist die beste und im Grunde einzige Karten-App, die ihr beim Tramping und Wandern in Tschechien braucht – sie ist wirklich sehr detailliert. Achtet nur darauf, die Outdoor-Kartenansicht auszuwählen.


Wie findet man einen guten Platz zum Übernachten?
Ihr werdet schnell merken: Tschechien hat sehr viele Wälder. Ein Wald ist ein guter Ort zum Biwakieren, weil es dort nachts meist wärmer ist als auf Wiesen. Ein weiterer Vorteil: Ihr dürft alle Arten von Wäldern betreten – sowohl staatliche als auch private. Zäune gibt es hier in der Regel nicht.
Wenn ihr einen guten Platz zum Übernachten sucht, ist es sinnvoll, den markierten Wanderweg zu verlassen und einem kleinen, beliebigen Waldweg zu folgen – so werdet ihr deutlich seltener gestört. Wenn ihr in den Bergen unterwegs seid, achtet auf die Höhenlinien, denn ihr wollt einen schönen, flachen Platz finden. Auf der Karte könnt ihr außerdem nach Felsüberhängen oder Höhlen in der Nähe schauen, die bei schlechtem Wetter guten Schutz bieten können.
Wenn ihr eure Tour ein wenig im Voraus planen möchtet, könnt ihr einen Blick auf diese Karte der Unterstände werfen. Diese Schutzhütten sind meist teilweise offen, bieten aber in der Regel genug Platz, um euch vor Regen zu schützen.
Die besten Regionen für Outdoor-Abenteuer in Tschechien:
Hier ist unsere Liste der besten Regionen zum Tramping und Wandern in der tschechischen Natur:
- Nationalpark Šumava (Böhmerwald)
- Nationalpark Krkonoše (Riesengebirge)
- Novohradské hory
- Třeboňsko
- Krušné hory (Erzgebirge)
- Brdy
- Jizerské hory (Isergebirge)
- Lužické hory (Lausitzer Gebirge)
- Orlické hory (Adlergebirge)
- Jeseníky
- Vysočina
- Moravský kras (Mährischer Karst)
- Beskydy
- Bílé Karpaty (Weiße Karpaten)

Ist es in Tschechien legal, im Auto zu übernachten?
In Tschechien gibt es keine spezielle gesetzliche Regelung für eine Übernachtung im Auto. Solange du also die allgemeinen Verkehrsregeln beachtest und Privatgrundstücke meidest, ist Schlafen im Auto legal. Eine praktische App dafür ist Park4Night, die dir hilft, gute Plätze zum Übernachten und Parken zu finden.
Welche Jahreszeit ist ideal für Outdoor-Abenteuer in Tschechien?
Generell ist der Sommer (Juni – August) die beste Zeit für alle Outdoor-Aktivitäten. Die Temperaturen im Sommer sind angenehm und liegen meist zwischen 20 °C und 25 °C, auch wenn kühlere oder deutlich wärmere Tage durchaus vorkommen. Nachts ist es im Sommer frischer (10 – 15 °C).
Wenn dir etwas kühleres Wetter nichts ausmacht, sind auch Frühling und Herbst schöne Jahreszeiten, um in die Natur aufzubrechen. Im Frühling erwarten dich blühende Bäume und Wiesen, während dich der Herbst mit seinem wunderschön gefärbten Laub verzaubert.
Unser Fazit
Abschließend ist wichtig zu sagen: Egal ob du zeltest, biwakierst oder im Auto übernachtest – respektiere immer die Natur und verlasse den Ort so, wie du ihn vorgefunden hast (oder in einem besseren Zustand). Es gibt ein schönes Sprichwort: Nimm nichts mit außer Fotos, hinterlasse nichts außer Fußspuren! Bitte halte dich daran.
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